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Titel: Die nackte Monade ¾. Theodor Lessing, Leibniz und Hannover
Beginn: 11.03.2014 18:00
Karte: Bei Google Maps anzeigen
Beschreibung: Eintritt frei

Referent:
Dr. Rainer Marwedel (Hannover)
Geb. 1954 in Celle; 1974-1978 Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Literaturwissenschaft an der Technischen Universität Hannover; 1990 Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik für Theodor Lessing. 1872-1933. Eine Biographie (Darmstadt/Neuwied 1987) und die Edition seiner Schriften; seit 2006 erscheint die erste wissenschaftliche Gesamtausgabe der gesammelten Schriften im Wallstein Verlag.

Zum Vortrag:
I had been there before; I knew all about it
(Evelyn Waugh: Brideshead Revisited, London 1948).

Philosophie entsteht nicht nur am Schreibtisch. „Wenn wir als Jungen nach der Schule zum Baden gingen, dann sahen wir mit frommen Schauder die roten Mauern des Staatsarchivs an und dachten: dahinter stehen Leibnizens Kisten.“ So Theodor Lessing 1908, im autobiographischen Rückblick, über den Nachlass des Universalgelehrten Leibniz. Als siebzehnjähriger Schüler sah Lessing vor dem Ratsgymnasium ein gläsernes Gefäß in der Sonne blitzen, es wurde, wie für Jakob Böhme in seiner Schusterstube, sein philosophisches Urerlebnis. „Reflex und Reflexion, der Anprall an unsere Grenze, das Weltall, das doch nichts anderes ist als das eigene trügerische logische Bewußtsein. Immer ist es Leben, gedrängt in die andere Richtung. Alles lebt! Auch das Amorphe ist nur Durchgang im Lebens-Kreislauf. Diese Einblicke wurden die Wurzeln meiner Philosophie der Not.“

Der Leibnizsche Gedankenkosmos ist in Theodor Lessings Schriften als philosophische Hintergrundstrahlung stets gegenwärtig, auch wenn Schopenhauer und Nietzsche, den Zeitverhältnissen am Ende des 19. Jahrhunderts entsprechend, die bevorzugten Ideengeber sind, in Abgrenzung zu Hegel, Darwin und Marx. Nach 1880 wendet sich das deutsche Bildungsbürgertum von der Aufklärung ab, in Theodor Lessings Philosophie aber wird diese weitergeführt, im kulturkritischen Anschluss an Rousseau und Kant. In Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen oder der Geburt der Geschichte aus dem Mythos (1919-1927; 4. Aufl.) und Europa und Asien (1918-1930; 5. Aufl.) finden sich auch sprachlich höchst beeindruckende Formulierungen, die das Problem des Fortschritts in der Moderne behandeln: Während Technik und Industrie in geometrischer Reihe fortschreiten, hinkt die Moral in arithmetischer Reihe dieser Entwicklung hinterher.
Veranstaltungsort:
Adresse: Vortragssaal des Leibnizhauses
Holzmarkt 4-6
30159 Hannover
Veranstalter:
Adresse: Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft
Telefon: +49 511 1267331
E-Mail: info@leibnizgesellschaft.de
Homepage: http://www.gottfried-wilhelm-leibniz-gesellschaft.de/

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