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| Titel: |
Was sollen wir glauben? |
| Beginn: |
25.04.2013 18:15 |
| Karte: |
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Was sollen wir glauben?
Was sollen wir glauben? Diese Frage stellt sich in unserem Alltag ständig; sie stellt sich aber
natürlich auch im Bereich der Religion. Ist es vernünftig oder rational zu glauben, dass es einen Gott
gibt, so wie ihn das Christentum versteht? Oder sprechen die besseren Argumente gegen die
Existenz eines solchen Wesens? Vor gut 100 Jahren haben William Clifford und William James eine
heftige Debatte um diese Fragen geführt. Clifford vertrat einen rigorosen Standpunkt: Es ist immer,
überall und für jeden falsch, etwas auf der Grundlage unzureichender Belege zu glauben; James
dagegen scheint auf den ersten Blick toleranter: Wenn eine Frage ihrer Natur nach nicht aus
intellektuellen Gründen entschieden werden kann, dann dürfen auch unsere Gefühle eine
entscheidende Rolle spielen. Wenn man die Debatte zwischen Clifford und James richtig verstehen
will, muss man zwischen epistemischen und nicht-epistemischen Gründe unterscheiden.
Epistemische Gründe sind Umstände, die es zumindest wahrscheinlich machen, dass eine
Überzeugung wahr ist. Nicht-epistemische Gründe haben dagegen weniger mit der Wahrheit als mit
der Nützlichkeit einer Überzeugung zu tun. Wenn ich besser schlafe, falls ich glaube, dass ein
Schutzengel über meinen Schlaf wacht, hilft mir diese Überzeugung zu einer ruhigeren und
entspannteren Nachtruhe. Aber das macht es natürlich nicht wahrscheinlicher, dass es tatsächlich
so ist. Ist es rational nach Lourdes zu fahren, weil man hofft, dort von einer schweren Krankheit zu
genesen? Nach den vorliegenden Zahlen beträgt die Wahrscheinlichkeit auf eine Wunderheilung in
Lourdes etwa eins zu hunderttausend. In etwa demselben Bereich liegt aber auch die Rate von
Spontanheilungen bei Krebs. Die Fakten sprechen also eindeutig dagegen, dass Lourdes ein Ort mit
besonderer Heilkraft ist. Ist es also irrational, wenn jemand dennoch glaubt, dass ein Besuch in
Lourdes ihm helfen wird? Zumindest lässt sich Folgendes sagen: Es mag für den Kranken nützlich
sein, diese Überzeugung zu haben, vielleicht kann er nur mit der Hoffnung, die sich auf diese
Überzeugung gründet, sein Leben überhaupt weiter ertragen. Aber die intellektuelle Redlichkeit
gebietet auch, sich einzugestehen: Epistemisch spricht nichts für die Wahrheit dieser Überzeugung.
Alle Interessierten, insbesondere auch Studierende, sind herzlich eingeladen.
gez.: Prof. Dr. Peter Stemmer
Referent: Prof. Dr. Ansgar Beckermann (Universität Bielefeld) |
| Veranstaltungsort: |
| Adresse: |
Universität Konstanz Fachbereich Philosophie Universitätsstraße 10 78464 Konstanz |
| Veranstalter: |
| Adresse: |
Prof. Dr. Peter Stemmer |
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| Homepage: |
http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Philosophie/philosophie/ |
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