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| Titel: |
Herders Rhetoriken im Kontext des 18. Jahrhunderts |
| Beginn: |
10.09.2012 14:00 |
| Karte: |
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Herders Rhetoriken im Kontext des 18. Jahrhunderts
Johann Gottfried Herders Schriften betreiben den Umbau der alteuropäischen Wissensbestände zu einem sich abzeichnenden Konzept moderner Kulturwissenschaften. Herder erfindet Theoriegenres oder entwickelt sie entschieden weiter: Sprachphilosophie, Geschichtsphilosophie, Anthropologie, Volkskunde, Literaturwissenschaft. Er führt einen neuen Begriff des Historischen ein, entwirft die komplementären Konzepte von Weltliteratur und Nationalliteratur, etabliert eine nichtantiquarische Historiographie, die er mit kulturkritischen Impulsen kreuzt, fundiert dies durch weit ausholende physiologische und anthropologische Überlegungen und bettet es in eine naturphilosophisch fundierte Philosophie der Weltgeschichte ein. Hauptberuflich ist er Theologe, auch auf diesem Feld entsteht ein umfangreiches und hochkomplexes Werk, das es verdient, von einer genuin transdisziplinären Perspektive her betrachtet zu werden.
Die geplante und hiermit annoncierte Tagung macht den Vorschlag, Rolle und Funktion, Latenz und Präsenz des Rhetorischen bei Herder und seinen Zeitgenossen zu untersuchen und also eine Episteme zu thematisieren, die sich von vornherein jenseits der Disziplinen befindet, aber im Verdacht steht, deren gemeinsame Basis substantiell mitzubestimmen. Die Rolle der Rhetorik in der Sattelzeit um 1800 wurde doppelt bestimmt (Vgl. John Bender und David Wellbery: Die Entschränkung der Rhetorik, in: Texte und Lektüren. Hg. v. Aleida Assmann, Frankfurt a.M. 1996, S. 79-104.): Auf der Ebene der manifesten Textstrukturation schwindet ihr Einfluss, während sie auf einer generativen Ebene umso mächtiger wird. Sie wandert in die Tiefenstruktur hinein, während die Texte in der zweiten Hälfte des 18.Jh.s nicht selten einem expliziten antirhetorischen Habitus folgen. Herder ist hier durchaus exemplarisch. Während er in seinen Schulreden ausdrücklich gegen die Schulrhetorik Stellung bezieht, sind seine Konzepte doch von rhetorischen Organisationsmodi geprägt. Es zeigt sich schon hier, dass der Begriff des Rhetorischen über das engere Konzept der Schulrhetorik hinaus getrieben werden muss. Offene, transformierte und erweiterte Rhetorikbegriffe werden zu diskutieren sein. Entsprechend fächert sich die Matrix der Fragestellungen auf:
- Sprache
- Sprachphilosophie
- Rhetoriken des Lebens
- Narrative des Historischen
- Rhetorik und Theologie
- Rhetorik und Philologie / Ästhetik
- Rhetorik des Schreibens
Überblickt man diese Felder, dann wird deutlich, dass mit einem offenen Ensemble von Rhetorikbegriffen gearbeitet werden muss. Natürlich steht der Traditionsbestand der klassischen Rhetoriken (Aristoteles, Cicero, Ad Herennium, Quintilian) zur Debatte, aber auch die neuzeitlichen Rhetoriken (von Erasmus bis zur topica universalis). Die neuere Rhetorikforschung hat zu vielen konzeptuellen Ausweitungen des Rhetorikbegriffes geführt. Gewiss wird Hans Blumenbergs anthropologischer Begriff der Rhetorik für Herder von großer Wichtigkeit sein. Ebenso ist aber an die erstaunliche Renaissance der Rhetorik im Bereich der Dekonstruktion zu denken. Wie steht es eigentlich mit der Frage, wie sich Herdersche Texte zur Dekonstruktion verhalten? Derrida hat seine Grammatologie in Auseinandersetzung mit Rousseau entwickelt. Ist nicht Herder der deutsche Parallelautor zu dieser argumentativen Gemengelage? Welche Verbindungen ins 18. Jahrhundert und über es hinaus entstehen, wenn man Herder mit den neueren Rhetorikbegriffen denkt?
Die konzipierte Tagung versucht also mehrere Fragestellungen zu bündeln. Nach Herder wird aus einem erweiterten Kontext heraus gefragt: aus dem Kontext des 18. Jahrhunderts, aus dem Kontext der Rhetorikgeschichte, aus dem Kontext der aktuellen Rhetorikforschung, aus dem Kontext der für Herders Werk spezifisch aufgefächerten Interdisziplinarität.
Angefragt werden für die Tagung hiermit ausgewiesene Experten sowohl der Herder-Forschung als auch der Forschung zum 18. Jahrhundert und der Rhetorik-Forschung. Der breitgestreute Call for papers soll sicherstellen, dass in jedem Fall auch eine erhebliche Anzahl von NachwuchsforscherInnen gewonnen werden kann. Die Herder-Gesellschaft mit ihrer starken internationalen Ausrichtung ist bestrebt, ein hohes Maß an Internationalität zu gewährleisten. |
| Veranstaltungsort: |
| Adresse: |
Schloss Beuggen Schloss Beuggen 11 79618 Rheinfelden (Baden) |
| Veranstalter: |
| Adresse: |
Internationale Herder-Gesellschaft |
| Telefon: |
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| E-Mail: |
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| Homepage: |
http://www.johann-gottfried-herder.net/german/ihg_konferenzen.htm |
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