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Titel: Tagung: Nietzsche und die psychiatrische Welt
Beginn: 25.08.2011 00:00
Karte: Bei Google Maps anzeigen
Beschreibung: Internationale Tagung vom 25.-27-8. in Kooperation mit der Ernst-Abbe-Stiftung und dem Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Tübingen

Nietzsches Verhältnis zur Psychiatrie kennt man vor allem durch sein Dasein als Patient. Er litt lebenslang an psychosomatischen Beschwerden, zeigte im Spätwerk Züge wahnhaften Denkens und sein Leben endete in geistiger Umnachtung. Diese Phänomene provozierten schon früh pathographische Spekulationen darüber, welchen Einfluss sein Kranksein auf die Kunst des Denkens hatte. Diesem Thema widmete sich Nietzsche selbst ausführlich und seine Gedanken regten auch die pathographische Forschung an. Sie kommt auf der Tagung in klinischer und theoretischer Perspektive zur Sprache.
Die philosophische Psychotherapie, die in ihrer Frage nach der guten Lebensführung und sinnvollen Lebenskunst eigenständig an die Medizin anknüpft, verdankt ihr modernes Profil nicht zuletzt den Anregungen Nietzsches. Im Rekurs auf Sokrates wird er als Diagnostiker der modernen Seele vorgestellt und zudem seine aktuelle Bedeutung für eine philosophische Medizin ausgelotet. Die Kunst des Pathologisierens, die Nietzsche im Spätwerk zur Meisterschaft brachte, erfährt als Schattenseite der Pathographie ebenfalls eine Würdigung. Ästhetische Annäherungen an Nietzsches Denken im Horizont der Krankheit kommen im historischen Rückblick auf Thomas Mann und Giorgio de Chirico zur Sprache. Anschließend wird Alwa Glebe als Video-Künstlerin ihre Auseinandersetzung mit Person und Werk des an Migräne erkrankten Nietzsche darstellen.
Weniger bekannt als die Tatsache seiner Krankheit ist, dass Nietzsche um 1900 den wissenschaftlichen Diskurs in Psychotherapie und Psychiatrie maßgeblich prägte. Ohne seine moralpsychologischen Einsichten wäre die Psychoanalyse in ihrer Gestalt vielleicht nicht denkbar. Auf andere Weise gingen seine psychodynamischen Ideen in die akademische und anthropologische Psychiatrie ein. Karl Jaspers und Ludwig Binswanger entfalteten sie unterschiedlich in der Nachfolge von William James, Max Weber und Martin Heidegger.
Zudem nahm der sozialdarwinistische Diskurs Impulse Nietzsches auf, die auch in der psychiatrischen Vererbungslehre ihre markanten Spuren hinterließen.
Veranstaltungsort:
Adresse: Wittumspalais
Am Palais 3
99423 Weimar
Veranstalter:
Adresse: Kolleg Friedrich Nietzsche der Klassik Stiftung Weimar
Telefon: 0 36 43 | 545-630
E-Mail: kolleg-nietzsche@klassik-stiftung.de
Homepage: http://www.klassik-stiftung.de

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