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Die philosophisch-literarische Sommerakademie: Gottfried Benn - Vor 140 Jahren geboren, vor 70 Jahren gestorben |
| Beginn: |
04.07.2026 18:00 |
| Karte: |
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| Beschreibung: |
Die philosophisch-literarischer Sommerakademie
von Samstag, 4. Juli 2026 bis Samstag, 11.Juli 2026
Gesamtleitung:
Dr. Gerd und Laura Achenbach
Gottfried Benn
Geistiger Aristokrat, schonungsloser Avantgardist
Die Sommer-Akademie wird eine Woche sein, sich in der wahrhaft idyllisch-reizvollen Welt des Südtiroler Ultentals zu erholen, sich zu entspannen, in unserem vielgestaltigen Haus interessierte Menschen zu treffen, zu sprechen, zu erzählen, zuzuhören, und außerdem findet sich ‒ mitunter in kleineren Gruppen ‒ die Gelegenheit, Gedanken zu ventilieren, Empfindungen zu teilen sowie Eindrücke und Erlebnisse auszutauschen.
Und ansonsten?
Gottfried Benn natürlich, wohldosiert, portioniert, doch keineswegs nach Rezept: weder nach „literaturwissenschaftlichem”, noch nach „kunsthistorischem”. Vor allem nicht im Stile gängiger Scheiterhaufengerichtsbarkeit, die sich die Verstorbenen vorlädt zur Gesinnungskontrolle post mortem und das alles fein sauber nach Maßgabe einer politmoralisch auf Linie gebrachten Zeitgenossenschaft.
Was statt dessen?
Benn, Solitär unter den Essayisten, distanzbedachter Protokollant einer aus den Fugen geratenen, flächig auskragenden Welt, melancholisch gestimmt berufen, dem Pessimismus das Wort zu reden, als Schriftsteller Verfasser lyrischer Prosa wie prosaischer Lyrik, einer, der sich verstrickte, sobald er sich zu befreien suchte, und frei kam, wenn ihn das Schicksal einholte. Benn ist das in Bann ziehende Faszinosum, das uns nicht losläßt, indem er zudringlicher Interpretation sich verweigert. Was er zuläßt ist: sich ihm behutsam anzunähern, „sich in ihn zu finden”. Und eben das wollen wir versuchen.
Dabei ist im Falle Benns zu beachten: Er ist eben nicht allein der höchst beachtliche Dichter und Lyriker, er ist ebenso ein bedeutender, nachwirkender Essayist ‒ und auch als schwer entzifferbarer Mensch verdient er Interesse. Übrigens: In jener Woche, in der wir uns treffen, um uns an ihn zu erinnern, am 11. Juli, jährt sich sein Todestag zum 70ten Mal. Die Feuilletons werden ‒ wie zu seinem 140. Geburtstag am 2. Mai diesen Jahres ‒ wieder einmal viel zu berichten und moralische Bedenken ein- und auszuräumen haben ...
Wir werden das Seminar in mittlerweile gutgewohnter Weise gemeinsam leiten, jedoch mit aufgeteilten Schwerpunkten hinsichtlich der Gesprächsanregungen und erster Gedankenskizzen: Während Laura mit einigen Rücksichten das lyrische Spätwerk in den Blick nehmen wird, möchte Gerd mit ausgewählten Essays bekanntmachen, etwa mit „Nach dem Nihilismus“, „Genie und Gesundheit“, „Pessimismus“ und mancher Marginalie. Und nicht weniges wird sich in einer erhellenden Spannung gesprächsweise miteinander verbinden lassen, so beispielsweise die essayistisch-bekennerischen Ausführungen zum Pessimismus mit dem Gedicht „Menschen getroffen“, verfaßt 1955, im letzten Jahre vor seinem Tod:
Ich habe Menschen getroffen, die,
wenn man sie nach ihrem Namen fragte,
schüchtern – als ob sie garnicht beanspruchen könnten,
auch noch eine Benennung zu haben –
„Fräulein Christian“ antworteten und dann:
„wie der Vorname“, sie wollten einem die Erfassung erleichtern,
kein schwieriger Name wie „Popiol“ oder „Babendererde“ −
„wie der Vorname“ – bitte, belasten Sie Ihr Erinnerungsvermögen nicht!
Ich habe Menschen getroffen, die
mit Eltern und vier Geschwistern in einer Stube
aufwuchsen, nachts, die Finger in den Ohren,
am Küchenherde lernten,
hochkamen, äußerlich schön und ladylike wie Gräfinnen –
und innerlich sanft und fleißig wie Nausikaa,
die reine Stirn der Engel trugen.
Ich habe mich oft gefragt und keine Antwort gefunden,
woher das Sanfte und das Gute kommt,
weiß es auch heute nicht und muß nun gehn.
Jene Frage, die dieses zarte, für immer unauslotbare Gedicht aufweist, dürfte eine der schwierigsten und reizvollsten sein, und Gottfried Benn beschäftige sie immer wieder. In einem seiner Stücke lautet sie:
„Ist die Güte tief oder das Verbrechen?“
Oder, dieselbe Frage aktuell gewendet ‒ in Kriegszeiten also ‒, ergibt sich aus jenem lakonischen Resumée, das einst Pierre Bayle zog und Gottfried Benn in eigener Sache zitiert:
„Die Geschichte ist eine Sammlung von Untaten, auf tausend Verbrechen kommt kaum eine tugendhafte Tat.“
Seine zeitentief wurzelnde Avantgarde, die Dunkelheit, Verfall und Tod nicht fürchtet, band Welten zusammen, die ‒ im Dienste bürgerlicher Saturiertheit ‒ sonst getrennt und von einander abgesondert blieben. Er aber simultanisierte sie, dachte und dichtete (und lebte) zusammen, was sich freilich nicht vertrug: solchem Zugleich des Widersprüchlichsten verdankt sich nicht zuletzt der geheimnisvolle Zauber seines Werkes.
Zur Einschätzung, was Sie erwartet:
Wir gedenken, darauf zu verzichten, die Untiefen Benns mit Interpretationen zu fluten; statt dessen laden wir dazu ein, uns miteinander seiner faszinierenden Gedankendichtung auszusetzen.
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Die Sommer-Akademie wird wie gewohnt einleitende Gedankenanregungen und erkundende Gespräche umfassen, dazu aber werden wir uns ‒ vorzugsweise in abendlicher Runde ‒ Originalaufnahmen von Lesungen des Autors selbst anhören.
Zum Ort und den geplanten Unternehmungen:
Unsere Veranstaltung findet zwar in Ultner Paradies statt, doch Ausflüge sollen uns beispielsweise in die nahegelegene Kur-Stadt Meran und dort auf die weithin berühmte Spaziermeile „Tappeinerweg” bringen, die am Hang oberhalb der Weinberge durch üppige Vegetation verläuft und bezaubernde Ausblicke über die Stadt bietet. Auch ein Besuch der Meraner Laubengasse oder/und der Burg Tirol bieten sich an, sowie ein Ausflug in den wunderschönen Ort Proveis in Deutschnonsberg. Kurzum: Es soll sowohl interessant, eindrucksvoll als auch gemütlich werden.
Alles Nähere demnächst auf unserer Internetseite. |
| Veranstaltungsort: |
| Adresse: |
Haus der Philosophischen Praxis / Villa Hartungen in Südtirol Villa Hartungen 64 39016 Ulten / Italien |
| Veranstalter: |
| Adresse: |
Gesellschaft für Philosophische Praxis (GPP e.V.) Laura Achenbach |
| Telefon: |
+49 170 5485673 |
| E-Mail: |
post@gerd-achenbach.de |
| Homepage: |
http://achenbach-pp.de |
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