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Titel: Hard Cases Make Bad Law - Zur Bedeutung moralischer Dilemmafälle für die Rechtsphilosophie
Beginn: 03.11.2010 19:00
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Beschreibung: Termin eines Philosophisches Kolloquiums.

Vortrag wird gehalten von: Corinna Mieth

Zeit: 19:00 - 20:30.

weitere Termine (siehe auch Veranstaltungskalender):
--> 10.11.
--> 24.11.
--> 01.12.
--> 08.12.
--> 15.12.
--> 12.01.2011
--> 19.01.2011
--> 26.01.2011
--> 02.02.2011

Die Titelgebende Statement besagt, dass aus Härtefällen schlechte Gesetze folgen. Hard Cases sind in der Moral- und Rechtsphilosophie konstruierte Beispielfälle mit einer dilemmatischen Struktur, die die Wahl zwischen zwei Übeln betrifft. Hochkonjunktur hat in den letzten Jahren sowohl in der deutschen als auch in der angelsächsischen Debatte das sogenannte Ticking-Bomb-Szenario. In diesem Bedrohungsfall kann eine große Anzahl von Menschen, deren Leben durch eine Bombe bedroht ist, nur gerettet werden, wenn die
Polizei den zuvor gefassten Bombenleger foltert, damit er das Versteck verrät. Beispiele sind, wie Daniel Dennett schreibt, Intuitionenpumpen. Diejenigen Hard Cases, die in der
Rechts- und Moralphilosophie am meisten diskutiert werden, dienen dazu, unsere moralischen Intuitionen herauszufordern. Würden wir unter extremen Bedingungen, wenn das
Leben vieler auf dem Spiel steht, die Geltung des rechtlichen Folterverbots oder des Verbotes, Unschuldige zu töten nicht doch einschränken wollen? Ich werde vier Argumente gegen die Plausibilität von solchen Schlussfolgerungen aus Hard-Case-Beispielen für unser Rechtssystem untersuchen: Das Absolutismusargument (1), das besagt, dass Foltern moralisch und rechtlich unter keinen Umständen erlaubt ist. Ich vertrete die These, dass, selbst wenn man sich durch das Hard-Case-Szenario genötigt sieht, den moralischen Absolutismus aufzugeben, aus dieser moralischen Bewertung der Dilemmasituation für die rechtliche Bewertung nichts folgt. Es sprechen drei andere Argumente dagegen, eine Änderung des Folterverbots im Rechtssystem vorzunehmen: das Ausnahmefallargument (2), das mit der empirischen Seltenheit solcher Fälle rechnet, das Phantasieargument (3), das
darauf hinweist, dass diejenigen moralisch relevanten Faktoren, die uns im Beispielfall zur Aufgabe des Absolutismus bringen, aufgrund von Wissensdefiziten empirisch prinzipiell nicht alle erfüllt sein können, und das Argument der notwendig negativen Folgen (4) einer
Abschwächung des rechtlichen Folterverbots.
Veranstaltungsort:
Adresse: Neuer Senatssaal
Ritterstraße 26
04107 Leipzig
Veranstalter:
Adresse: Universität Leipzig, Institut für Philosophie
Andrea Kern
Telefon:  
E-Mail: akern@uni-leipzig.de
Homepage: http://www.uni-leipzig.de/~philos

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