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Titel: Goethes Naturforschung und Naturphilosophie – Überholt oder Weitung des Blicks?
Beginn: 11.06.2016 09:00
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Beschreibung: Goethes Naturforschung und Naturphilosophie

Überholt oder Weitung des Blicks?
Goethe gilt als derbedeutendste Dichter deutscher Sprache. Dabei wird leicht vergessen, dass für ihn selbst die Beschäftigung mit den Naturwissenscha
ften mindestens ebenso wichtig war wie die Dichtung.
14 Bände der großen Weimarer Ausgabe seiner Werke beinhalten allein naturwissenschaftliche Arbeiten.
Seine letzte Beschäftigung, fast schon auf dem Sterbebett, war die Vorbereitung einer Veröffentlichung über die naturwissenschaftliche
Methode. Heute scheinen die Ergebnisse seiner Forschungen, die Früchte lebenslanger unermüdlicher Beobachtungen und biologisch-geologischer Feldforschungen überholt und veraltet zu sein.
Die Farbenlehre galt schon seinen Zeitgenossen als kläglich gescheitert, sein polemischer Kampf gegen Newtons physikalischen Erklärungen des Lichts
als eher peinlich. Das mag zutreffen, wenn man den Maßstab der modernen, quantifizierenden
Naturwissenschaften anlegt. Dann aber geht man an dem
Eigentlichen vorbei, um das es Goethe mit seiner
Naturforschung ging. Er war ein Mensch der unmittelbaren Schau, dem Formeln, Berechnungen und Begriffssysteme nur einen blassen Widerschein der Natur geben können. Sie mögen für praktische Zwecke nützlich sein, er aber wollte die Natur
unmittelbar in ihrem Wesen erfassen, ihre Gestalthaftigkeit, Formprinzipien und Typen. Natur ist ihm symbolischer Ausdruck von etwas Geistigem. "Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt", ist sein Wahlspruch. Damit steht er nahe bei dem von ihm verehrten Johann Georg Hamann, bei dem es heißt: „Rede, dass ich dich
sehe! Dieser Wunsch wurde durch die Schöpfung erfüllt, die Rede an die Kreatur durch die
Kreatur ist“ (Aesthetica in nuce). Kann uns das
heute noch etwas sagen? Beschränkt sich das, was wir Goethes Naturforschung verdanken,
auf die Entdeckung des Zwischenkieferknochens, oder ist sein Zugang zur Wirklichkeit ein blei-
bend fruchtbarer, der nur auf etwas gänzlich anderes gerichtet ist als die quantifizierende Methode? Dem
werden wir in dieser Tagung nachgehen, unter anderem, indem wir die Art seiner Forschungen nachvollziehen. So wird Dr. Heim einige Experimente
Goethes zur Farbenlehre nachstellen. Ein Seitenblick
auf das Werk von Ernst Jünger wird ein zusätzliches Licht auf das werfen, um das es Goethe ging. Hamann verbindet Goethe mit Jünger, der ein moderner Dichterphilosoph und zugleich ein bedeutender
Insektenforscher im Geiste Goethes war. Wir freuen uns sehr, dass Professor Dr. Vincent Berning uns den philosophischen Hintergrund des
Goethe’schen Schaffens nahe bringen wird.
So wird Goethe, der große Magier dann vielleicht in unsere Mitte treten, wie ihn Müller von Dornburg am
29.4.1818 während einer Exkursion erlebt hat: „‘Lasst mich Kinder‘, sprach er plötzlich vom Sitze
aufstehend, ‚einsam zu meinen Steinen dort unten eilen; denn nach solchem Gespräch ziemt dem alten
Merlin sich mit den Urelementen wieder zu befreunden‘. Wir sahen ihm lange frohbewegt nach, als er in seinen
lichtgrauen Mantel gehüllt feierlich ins Tal hinabstieg, bald bei diesem, bald jenem Gestein oder
auch bei einzelnen Pflanzen verweilend und die ersteren mit seinem mineralogischen Hammer prüfend.
Veranstaltungsort:
Adresse: Arnold Janssen Kloster der Missionsschwestern, Kapucijnenweg 9
6286 BA Wahlwiller, NL
Veranstalter:
Adresse: © Vennland-Akademie für philosophische Erwachsenenbildung
Dr. Hartmut Sommer
Telefon: 02224 967842
E-Mail: hartmut.d.sommer@t-online.de
Homepage: http://www.vennland-akademie.de/39994.html

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