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| Titel: |
Vom Wagnis der Wahrheit in der Philosophie |
| Beginn: |
25.11.2015 18:30 |
| Karte: |
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| Beschreibung: |
In Kooperation mit der Lessing-Hochschule
Unter den zahlreiche Nihilismen des vergangenen Jahrhunderts scheint eine Stimme des Lebens- und Menschheitspessimismus an schroffer Unversöhnlichkeit alle andere zu dominieren: die Emile Ciorans, den Susan Sontag, eher verharmlosend, den "Nietzsche unserer Tage" nennt. Von keinem, schon gar nicht von Nietzsche, den er für "allzu naiv" empfand, lässt er sich an Lebensfeindschaft und Lebensverneinung überbieten. Für ihn scheint kein einziges Argument für das Leben, seinen Erhalt und seine Weitergabe zu existieren.
Und doch lesen wir bei ihm auch: "Die Hölle, das ist die Unvorstellbarkeit des Gebets." Ist einer, der so formuliert, wirklich für alles irdische Versöhnungswerk verloren? Ist für ihn Glückseligkeit "mit dieser Welt" prinzipiell unvereinbar? Und verbleibt ihm als residuales Glücksretiro nur die Absage an Begierde und Bewusstsein, die konsequente Liquidierung des Abenteuers des "Ich", die vollendete Leere auf der Bühne des Sozialen wie der des Geistigen?
Nur wer sich radikal dem Trug der Einwilligung verweigert, nur wer von nichts und niemand gehalten wird, nicht von Ehrgeiz und Erfolgsstreben, nicht von Freundschaft und Sympathie - wie sein gleichsam "professionelles Ideal": der Schriftsteller ohne Leser - , vermag sich den Luxus kompromissloser Aufrichtigkeit zu leisten. Nur wer sozialfern existiert und keinerlei Wert darauf legt, geliebt zu werden, und schließlich nur, wer den Tod nicht fürchtet, ja ihn gar als "Aroma der Existenz" genießt, mit dem er sich wider die Fadheit des Lebens wappnet, findet zu einer Art des "zweiten Heroismus"; einer vermeintlich ganz und gar selbstlosen "Größe ohne Eitelkeit". Wer so konsequent die Leere sucht, das "Selbst ohne das Selbst", dem bleibt nur "seliges Untergehen" - die irdische Katastrophe der Endlichkeit als letzte Verheißung.
Am Denken des aus dem rumänisch-multiethnischen Transsilvanien (Siebenbürgen) stämmigen, in Frankreich wirkenden Aphoristikers und Dichterphilosophen, einem der radikalsten Kulturkritiker der Moderne, lässt sich trefflich die fortwirkende Versuchung des Antipolitischen beobachten - bis hin zur Anfälligkeit für faschistische Gewaltphantasien und der offenen Rechtfertigung des politischen Terrors; zugleich aber auch, wie anhaltend "modern" und geradezu aufreizend attraktiv für viele zeitgenössische Strömungen und religiös grundierte Bewegungen dieses sprachmächtige Plädoyer für eine Welt der absoluten Unbestimmtheit und der grenzenlosen Offenheit wirken kann, welches den "Geist als Widersacher der Seele" (Ludwig Klages) identifiziert und alles vorausweisend Schicksalhafte und Neue aus Trunkenheit, Trance und meditativer Versenkung statt aus Wissen und der Anstrengung des Denkens entstehen lässt.
Aus welcher intellektuellen Asservatenkammer könnten sich die versprengten und verwirrten Sinnsucher unserer Tage besser bedienen als aus dieser? All jene, die sich selber - wie Cioran - als die letzten wahrhaft "Lebendigen unter lauter Scheintoten" empfinden, als Rechtgläubige unter Lauen und Relativisten, die in - durchaus rabiater - Übereinstimmung mit einer "allweisen Natur" existieren und emphatisch "Mensch-sein" möchten, finden in Ciorans populärer Aphorismenbibel der "Verfehlten Schöpfung" und seiner "Lehre vom Zerfall" reichlich Anregung und Selbstbestätigung.
Vortrag und Diskussion, eine vertiefende Seminarreihe mit vier Terminen wird bei ausreichender Nachfrage angeboten.
Leitung: Prof. Dr. Bernd Guggenberger
Kosten: 8/6 €
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| Veranstaltungsort: |
| Adresse: |
VHS Onkel-Tom-Str. 14 14169 Berlin |
| Veranstalter: |
| Adresse: |
VHS Steglitz-Zehlendorf Laurenz Ungruhe |
| Telefon: |
(030) 902995020 |
| E-Mail: |
service@vhssz.de |
| Homepage: |
http://www.vhs-steglitz-zehlendorf.de |
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